Überblick
Am 20. Oktober 2026 kam das Konsortium des Forschungsprojekts „VERITAS“ am Austrian Institute of Technology (AIT) in Wien zu einem eintägigen Workshop zusammen, um den Projektstart offiziell einzuläuten und mit der konzeptionellen Arbeit zu beginnen. Das Research Institute war durch Robert Rothmann und Madeleine Müller vertreten. Das im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS geförderte Projekt widmet sich der Entwicklung einer transparenten und nachvollziehbaren KI-Unterstützung für komplexe Verfahren im Asylwesen.
Projekthintergrund und Ziele
VERITAS steht für „VERtrauenswürdige Identitätsfeststellung durch Transparente Agenten-Systeme“. Ausgangspunkt ist die anspruchsvolle Arbeit im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA), wobei Identitätsdokumente, Einvernahmeprotokolle, Länderberichte und bestehende Akten ausgewertet und zur Konsistenzbewertung miteinander in Beziehung gesetzt werden müssen. Die Prüfung dieser umfangreichen Informationen erfordert besondere Sorgfalt und ist mit einem hohen zeitlichen und kognitiven Aufwand verbunden.
Hier setzt VERITAS mit der Entwicklung des KI-Assistenzsystems „ALIGN“ an. Als interaktiver Copilot soll es Akten vorstrukturieren und auf mögliche räumliche und zeitliche Widersprüche hinweisen. Im Mittelpunkt stehen die Unterstützung der Identitätsklärung sowie die Qualitätssicherung von Bescheiden durch den Abgleich unterschiedlicher Informationsquellen.
Systemarchitektur und rechtliche Anforderungen „by Design“
Technisch zeichnet sich VERITAS durch einen hybriden, neuro-symbolischen Ansatz aus, der eine offene Multi-Agenten-Architektur mit logischen Prüfverfahren verbindet. Informationen werden aus Dokumenten extrahiert, in einem strukturierten Wissensnetz zusammengeführt und anhand definierter Regeln auf Widersprüche geprüft. Dadurch sollen Ergebnisse überprüfbar und für die Anwender*innen nachvollziehbar werden.
„Compliance & Ethics by Design“ ist dabei ein zentraler Bestandteil des Vorhabens: Rechtliche und ethische Anforderungen sollen bereits in der Systemarchitektur berücksichtigt werden. Erklärbare KI und die konsequente Einbindung menschlicher Prüfung sollen einem unkritischen Vertrauen in automatisierte Ergebnisse entgegenwirken. Der vorgesehene Betrieb auf lokaler Hardware unterstützt zudem die Datensouveränität.
Multidisziplinäres Konsortium und Ausblick
Unter der Leitung des AIT vereint VERITAS das Bundesministerium für Inneres, das Research Institute sowie die X-Net Services GmbH und läuft von Oktober 2026 bis September 2028. Neben einem evaluierten Software-Prototyp soll langfristig ein modulares Open-Source-Framework entstehen, das als Grundlage für einen rechtsstaatlichen KI-Einsatz in der europäischen Verwaltung dienen kann.
Das Research Institute freut sich, Teil dieses bedeutenden Forschungsprojekts zu sein und seine Expertise an der Schnittstelle von Datenschutzrecht, künstlicher Intelligenz und Ethik einzubringen. Gemeinsam mit den Projektpartnern möchten wir einen Beitrag zur Forschung an vertrauenswürdigen KI-Systemen leisten und dazu beitragen, die Einhaltung rechtlicher Anforderungen von Beginn an sicherzustellen.