Rückblick auf die 3. Fachtagung „Automatisierung der Arbeit“ an der WU Wien

Algorithmen bestimmen heute zunehmend über Schichtzuteilungen, Kündigungen oder Beförderungen und greifen damit tief in das Arbeitsleben vieler Menschen ein. Für die betroffenen Beschäftigten bleibt jedoch häufig unklar, nach welchen Kriterien diese Systeme zu ihren Ergebnissen gelangen und welche Faktoren eine konkrete Entscheidung tatsächlich beeinflusst haben. Gerade diese wachsende Intransparenz automatisierter Entscheidungsprozesse wirft grundlegende Fragen nach Rechtsschutz, Nachvollziehbarkeit und Transparenz im digitalen Zeitalter auf. Mit genau diesem Spannungsfeld beschäftigte sich der Vortrag, den unsere Mitarbeiterin Madeleine Müller am 9. März 2026 im Rahmen der 3. Fachtagung „Automatisierung der Arbeit“ an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) gehalten hat.

Zwei Rechtsrahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, wie das europäische Recht auf die Herausforderungen algorithmischer Entscheidungsprozesse reagiert und wie bestehende und neue Regelungen dazu beitragen können, Transparenz und effektiven Rechtsschutz sicherzustellen. Madeleine Müller zeigte auf, dass insbesondere Datenschutz-Grundverordnung und KI-Verordnung zusammenwirken, um betroffenen Personen nachvollziehbare Informationen über automatisierte Entscheidungen zu ermöglichen. Zentrale Rechtsnormen sind hier einerseits Art 15 Abs 1 lit h iVm Art 22 DSGVO, wonach betroffenen Personen bei vollautomatisierten Entscheidungen Anspruch auf aussagekräftige Informationen über die involvierte Logik sowie über die Tragweite und die angestrebten Auswirkungen einer solchen Verarbeitung zustehen.

Mit dem Recht auf Erklärung nach Art 86 KI-VO wird dieser Schutzmechanismus weiterentwickelt und an die Besonderheiten des KI-Einsatzes in automatisierten Entscheidungsprozessen angepasst. Die Bestimmung begründet ein eigenständiges Recht auf Erläuterung gegenüber dem Betreiber eines Hochrisiko-KI-Systems und stärkt damit die Möglichkeiten betroffener Personen, die wesentlichen Entscheidungsgründe zu hinterfragen und über die Rolle des KI-Systems im Entscheidungsprozess informiert zu werden.

Damit wird deutlich, dass Transparenz im Kontext künstlicher Intelligenz nicht nur ein technisches Qualitätsmerkmal ist, sondern ein zentraler Bestandteil effektiven Rechtsschutzes in einer digitalisierten Gesellschaft.

WU Wien Podium

Bedeutung für die Praxis

Für Unternehmen und Organisationen, die Hochrisiko-KI-Systeme einsetzen, ergeben sich daraus weitreichende Anforderungen – sowohl bereits jetzt aus datenschutzrechtlicher Perspektive als auch nach der KI-Verordnung, sobald die entsprechenden Bestimmungen Anwendbarkeit erlangen. Danach müssen Beschäftigte frühzeitig und verständlich darüber informiert werden, wenn KI-basierte Systeme am Arbeitsplatz sowie in Entscheidungsprozessen eingesetzt werden. Gleichzeitig müssen Betreiber in der Lage sein, auf Anfrage konkrete Erläuterungen zu einzelnen Entscheidungen zu liefern, die für betroffene Personen nachvollziehbar sind und eine Überprüfung ermöglichen. Auch die Einbindung betrieblicher Interessenvertretungen spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, wenn KI-Systeme im Arbeitskontext eingesetzt werden.

 

Unser Forschungshintergrund

Die im Vortrag diskutierten Fragen stehen auch im Mittelpunkt mehrerer Forschungsprojekte unseres Instituts. Im Projekt „AI Know – Information und Mitbestimmung bei KI-basierten Entscheidungen im Beschäftigtenkontext“, das im Auftrag der Arbeiterkammer Wien durchgeführt wurde, entstanden praxisorientierte Leitlinien, die Beschäftigten und Betriebsräten dabei helfen sollen, KI-basierte Entscheidungssysteme besser zu verstehen und ihre Rechte wahrzunehmen. Im Projekt „Aufklärung 4.0 – Entscheidungen der KI als Mensch verstehen“, das im Auftrag des BMASGPK umgesetzt

Madeleine Müller

Madeleine Müller

wurde, wurden darüber hinaus konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Konsument*innen entwickelt, die einen transparenten und rechtssicheren Einsatz von KI-Systemen unterstützen.

Fazit

Wir gratulieren Madeleine Müller herzlich zu diesem gelungenen Vortrag und danken den Organisatorinnen und Organisatoren der Fachtagung für die Einladung. Der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ist entscheidend, um Transparenz und effektiven Rechtsschutz auch in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt sicherzustellen.